Nach Wengen folgte die Rückkehr nach Kitzbühel! Das erste Mal nach dem schrecklichen Abflug im vergangenen Jahr machte ich mich an die Aufgabe, das Kapitel Comeback und Sturz in Kitzbühel abzuschliessen. Wie sich herausstellte, war dies eine emotionale Herkulesaufgabe. Auf der Anreise und in Kitzbühel angekommen hatte ich ein positives Gefühl und ich freute mich darauf, die Streif zu meistern. Am Abend zuvor besichtigte ich den Zielsprung ein erstes Mal und bereits dort wurde mir klar, dass am nächsten Tag mehr auf mich wartete, als nur kurz runter zu fahren. Das Kribbeln in meinem Körper begann.
Nach einer guten Nacht und der ersten Besichtigung war ich bereit. Je näher es zu meinem Start kam, desto nervöser wurde ich. Im Starthaus, ein paar Minuten vor meinem Start, war die Nervosität kaum auszuhalten. Die Atemfrequenz stieg und stieg! Ich gab keinen Ton von mir, die Anspannung war riesig und ich dachte: Lasst mich endlich fahren, ich muss hier raus! Am Startgate angekommen, konnte ich meine Arme kaum mehr spüren, so vollgepumpt war ich mit Emotionen. 3, 2, 1… Start - Ich fuhr los und kam gut in Schwung. Die Nervosität liess nach und ich entspannte mich ein wenig in den ruhigeren Passagen. Als es Richtung Traverse und Zielsprung ging, schoss mein Puls noch einmal in die Höhe. Die Anspannung war schlimmer als je zuvor! Gefühlt konnte ich nicht mehr blinzeln und fuhr auf den Zielsprung los - Sprung - Sauber gelandet und ich fuhr ins Ziel! Die Athleten im Zielgelände klatschten, als hätte ich das Rennen gewonnen. Doch irgendwie war ich wirklich ein Sieger! Ich fühlte mich besser denn je und jubelte inbrünstig und liess all den Balast los. Plötzlich hatte ich wässerige Augen und dachte mir:” Ach du Scheisse, jetzt beginnst du aber nicht etwa noch zu weinen!” Doch ich konnte es mir nicht verkneifen und im Hotelzimmer kamen mir vor Erleichterung Tränen. Ich hatte für mich grosses geleistet, die Freude war riesig und ich genoss einfach diesen Moment! Das Kapitel war abgeschlossen und ich schaute nach vorne auf zwei Abfahrtsrennen ohne jeglichen Druck. Ich war bereits ein Sieger und alles was noch kam, war Zugabe. Es sollten die Ränge 19. & 24. werden, doch diese waren nebensächlich und mir egal. Ich konnte mit dem Sturz vergangenen Jahres abschliessen und dies war das grösste Geschenk.