Mental Detox in Mexiko

Mental Detox oder umgangssprachlich Ferien habe ich mir diesen Frühling in Mexiko gegönnt. Zusammen mit meiner Partnerin Nadine erholte ich mich in der karibischen Sonne von den ganzen Strapazen des Winters. Die Tage in Cancun und Tulum liessen mich die ganzen Blessuren und Erinnerungen an meine Verletzungen vergessen. Braungebrannt und topmotiviert bin ich nun zurück in der Schweiz und bereit, meine Rehabilitationsphase so richtig zu starten. Diese werde ich in den nächsten Wochen in Magglingen sowie zuhause in Unteriberg absolvieren.

Auf gehts.!!!

Urs Kryenbühl
Saisonzusammenfassung und Gesundheitsstatus

Lange ist es her, seit ich mich letztmals auf meiner Homepage gemeldet habe. Nun ist es für ein ausführliches Update an der Zeit. Also nehmt ein Glas Wasser zur Seite, macht es euch bequem und macht euch für eine etwas längere Zusammenfassung meiner Saison bereit. ;)

Vorneweg…Falls ihr einfach hier seit, um etwas über meinen Gesundheitszustand zu erfahren, es geht mir soweit gut und ich bin auf dem Weg der Besserung. Ich habe die Operation an der Hüfte sowie den Eingriff am Knie gut überstanden und versuche jetzt bestmöglich meinen Körper auf dem Weg der Besserung zu unterstützen. Für alle diejenigen, die von meiner Verletzung nichts wussten, kommt alles Weitere später in der Zusammenfassung.

Saisonstart in Beaver Creek USA: Nach einigen Strapazen und auf Umwegen startete ich in Beaver Creek in meine Comebacksaison. Ich fühlte mich körperlich sowie mental bereit wieder voll anzugreifen und Spass zu haben. Dies gelang mir ganz passabel, denn trotz einigen Fahrfehlern konnte ich in drei Rennen zwei 16. Ränge herausfahren. Es war ein gelungenes Comeback, dass mich positiv in die Zukunft schauen liess!



Zurück in Europa und das Dilemma mit den Medien: Zurück in Europa kam dann aber einiges anders, als ich mir vorgestellt oder auch erhofft hatte. Die vielen Nebenschauplätze in Bezug auf meinen Impfentscheid hatten hohe Wellen geschlagen. Für mich war dies unverständlich, da ich erst kurz vor der Amerikareise von Corona genesen war und somit keine grössere Gefahr für andere Menschen darstellte als geimpfte Personen. Tja, die einen oder anderen Personen sahen dies nicht so und haben mir dies unter anderem mit Morddrohungen und Verletzungswünschen klar gemacht. “Du asoziales und egoistisches Arschloch” waren noch nette Worte in Anbetracht dessen, was mir einige Menschen via Mail, Instagram etc. ohne jeglichen Respekt mitteilten. Das Thema war allgegenwärtig und dies machte es nicht gerade einfacher, sich in den Tagen vor Weihnachten auf das Wesentliche zu konzentrieren, geschweige denn zu erholen.

Einen Tag vor dem letzten Rennen in Beaver Creek wurde mir mitgeteilt, dass der italienische Skiverband eine Impfpflicht für die Rennen in Italien auf den Tisch legte. Dies liess mich nicht wirklich motivierter in meine Zukunft blicken. Es fiel mir schwer die Tatsache zu akzeptieren, dass es mir als Feriengast oder Pistenrutscher als genesener erlaubt gewesen wäre, an die Orte in Italien zu reisen und die Piste runter zu rutschen. Als Rennfahrer wäre es mir aber verboten gewesen, die gleiche Piste runterzufahren.

Dies konnte ich so nicht akzeptieren, da es für mich überhaupt keinen Sinn gemacht hatte. Viele Telefonate und einige Gespräche später konnte ich doch an den Rennen in Italien teilnehmen. Die Energie, die dadurch aber Flöte ging, fehlte mir anschliessend an den Rennen in Gröden und Bormio.




Zwei ernüchternde Rennen im Südtirol, einen Ausfall und eine verunsicherte Fahrt später waren die Rennen in Italien bereits wieder Geschichte. Ich konnte mir in vier Einsätzen einen Weltcuppunkt erfahren. Es war nicht wirklich die Ausbeute, die ich mir auf meiner Lieblingsstrecke in Bormio erhoffte. Ach ja… das Selbstvertrauen war dann auch weg und ich freute mich auf ein paar erholsame Tage zuhause. Neues Jahr, neues Glück - dachte ich mir - abhaken und weitermachen!

Erholt, motiviert und mit einigen guten Trainingstagen im Gepäck machte ich mich auf den Weg zu den wohl coolsten Rennen des Jahres. Es ging nach Wengen ins Berner Oberland. Als Schweizer und erstmals wieder mit Zuschauern am Pistenrand konnte ich es kaum erwarten, auf der Lauberhornstrecke mein Bestes zu geben. Da dies erst meine zweite Teilnahme an den Weltcuprennen in Wengen war, waren auch meine Ambitionen etwas kleiner. Nichtsdestotrotz konnte ich mit einem 22. & 25. Rang meine ersten Weltcuppunkte auf dieser Piste feiern. Das Wichtigste am ganzen Anlass war aber, dass ich nach den vielen Strapazen und Rückschlägen meine Freude am Skifahren wieder fand.

Eine kleine Anekdote…
Dies ging mir beim “Hundschopf” durch den Kopf: “Oh shit ist das ein geiler Sprung! Ich fühle mich wie ein König!” (Innerliches Lachen hahaha..)




Nach Wengen folgte die Rückkehr nach Kitzbühel! Das erste Mal nach dem schrecklichen Abflug im vergangenen Jahr machte ich mich an die Aufgabe, das Kapitel Comeback und Sturz in Kitzbühel abzuschliessen. Wie sich herausstellte, war dies eine emotionale Herkulesaufgabe. Auf der Anreise und in Kitzbühel angekommen hatte ich ein positives Gefühl und ich freute mich darauf, die Streif zu meistern. Am Abend zuvor besichtigte ich den Zielsprung ein erstes Mal und bereits dort wurde mir klar, dass am nächsten Tag mehr auf mich wartete, als nur kurz runter zu fahren. Das Kribbeln in meinem Körper begann.

Nach einer guten Nacht und der ersten Besichtigung war ich bereit. Je näher es zu meinem Start kam, desto nervöser wurde ich. Im Starthaus, ein paar Minuten vor meinem Start, war die Nervosität kaum auszuhalten. Die Atemfrequenz stieg und stieg! Ich gab keinen Ton von mir, die Anspannung war riesig und ich dachte: Lasst mich endlich fahren, ich muss hier raus! Am Startgate angekommen, konnte ich meine Arme kaum mehr spüren, so vollgepumpt war ich mit Emotionen. 3, 2, 1… Start - Ich fuhr los und kam gut in Schwung. Die Nervosität liess nach und ich entspannte mich ein wenig in den ruhigeren Passagen. Als es Richtung Traverse und Zielsprung ging, schoss mein Puls noch einmal in die Höhe. Die Anspannung war schlimmer als je zuvor! Gefühlt konnte ich nicht mehr blinzeln und fuhr auf den Zielsprung los - Sprung - Sauber gelandet und ich fuhr ins Ziel! Die Athleten im Zielgelände klatschten, als hätte ich das Rennen gewonnen. Doch irgendwie war ich wirklich ein Sieger! Ich fühlte mich besser denn je und jubelte inbrünstig und liess all den Balast los. Plötzlich hatte ich wässerige Augen und dachte mir:” Ach du Scheisse, jetzt beginnst du aber nicht etwa noch zu weinen!” Doch ich konnte es mir nicht verkneifen und im Hotelzimmer kamen mir vor Erleichterung Tränen. Ich hatte für mich grosses geleistet, die Freude war riesig und ich genoss einfach diesen Moment! Das Kapitel war abgeschlossen und ich schaute nach vorne auf zwei Abfahrtsrennen ohne jeglichen Druck. Ich war bereits ein Sieger und alles was noch kam, war Zugabe. Es sollten die Ränge 19. & 24. werden, doch diese waren nebensächlich und mir egal. Ich konnte mit dem Sturz vergangenen Jahres abschliessen und dies war das grösste Geschenk.


Europacup und das Saisonende: Nach einer emotionalen Woche ging es für mich direkt weiter Richtung Saalbach - Hinterglemm. Ich hatte das Ziel, meine FIS Punkte zu verbessern, um die guten Startnummern im Weltcup beizubehalten. Dies gelang mir in den beiden Abfahrten ganz okay. Ich konnte zwei solide Läufe zeigen und war sehr zufrieden mit meiner Leistung. Ich hatte richtig Spass am Skifahren und ich sagte mir vor dem Super-G Start. “Wow cool Urs, jetzt bist du wieder da, wo du sein möchtest. Du fährst gut Ski, bist schnell und hast Spass dabei.” Doch manchmal kommt es anders als man denkt… Mit Startnummer 31 ins Rennen gestartet, fuhr ich auf einer stark ramponierten Piste von Abschnittsbestzeit zu Abschnittsbestzeit. Ich war sehr schnell unterwegs. Doch dann geschah es… ich kam zwei Schwünge vor dem Ziel über eine Welle leicht von der Linie ab. Ich spürte, dass es für das korrekte passieren des Tores sehr eng werden würde. Ich versuchte alles, um im Rennen zu bleiben. Leider verkantete mein Innenski kurz vor dem Tor und ich hatte mit rund 80 Kilometer pro Stunde eingefädelt - Mein linker Fuss wurde an der Torstange regelrecht festmontiert und bewegte sich keinen Zentimeter mehr. Da das andere Bein weiterhin mit dem selben Tempo weiter fuhr, riss es mich regelrecht auseinander. Dabei zog ich mir eine Symphysensprengung zu und riss mir das hintere Kreuzband sowie das Innenband. Eine achterbahnartige Saison ging somit abrupt zu Ende. Jetzt heisst es für mich einmal mehr gesund werden und geduldig bleiben.

Urs Kryenbühl
Zurück ins Starthaus - Kurzdokumentation

Vergangenen Sommer wurde ich vom Filmteam PeakFrames begleitet und es entstand eine Kurzdokumentation über meinen Weg zurück ins Starthaus. Es war eine sehr spannende und interessante Zeit und ich durfte viel über meinen Körper erfahren und lernen.

Viel Spass beim Schauen!

Urs Kryenbühl
Comeback und die etwas andere Vorbereitung

Letzte Woche durfte ich nach gut zehn Monaten Wettkampfpause mein Comeback im Weltcup feiern. Es war ein unglaublich cooles Gefühl wieder zurück im Starthaus zu stehen. Etwas mulmig war mir schon, als ich den Steilhang auf der wirklich anspruchsvollen “Birds of Prey” in Beaver Creek USA besichtigte. Doch ich konnte mich super auf das Wesentliche konzentrieren und landete zu Beginn der Saison auf dem soliden 16. Platz im Super-G sowie in der Abfahrt.

Zu meiner Vorbereitung muss ich wohl etwas mehr ausholen, um diese spezielle Situation zu erklären. Wir befinden und momentan in einer schwierigen und auch sehr aussergewöhnlichen Situation, denn die ganze Welt steht Kopf. Auch ich habe mir meinen Kopf zerbrochen und mir Gedanken zu meiner Zukunft gemacht. Letztlich kam ich zum Entschluss, momentan auf den COVID-Impfstoff zu verzichten und somit die eine oder andere Konsequenz in Kauf zu nehmen. Eine dieser Konsequenzen war die Nichtteilnahme an den Weltcuprennen in Lake Louise (CAD). Denn dort kann man momentan nur einreisen, wenn man “vollständig” geimpft ist. Den “Genesenstatus” wird dort leider nicht anerkannt. Somit suchten mein Teamkolleg Ralph Weber und ich eine Alternative zum normalen Programm. Da wir früher als gewünscht in die Vereinigten Staaten reisen mussten, dachten wir uns: “Hey wenn wir schon früher als geplant in die Staaten reisen müssen, machen wir es uns so cool und erlebnisreich wie möglich!” Gesagt, getan! Unser Abenteuer startete mit dem Aufenthalt in Santa Monica / Los Angeles, die Endstation der weltbekannten Route 66. Angekommen staunten wir nicht schlecht, als die Temperaturen im November 30 Grad anzeigten und ich wohl eher zu warme Kleidung eingepackt hatte. Unter Palmen und am Sandstrand von Santa Monica durften wir eine andere Art von Vorbereitung erleben und es liess uns auch gleich den Coronastress der Vergangenheit vergessen. Es war einfach schön und wir genossen jede Sekunde. Dass wir in der nächsten Woche unseres Aufenthaltes auch noch San Diego, das in Süden von Kalifornien liegt, erleben durften, machte den Trip noch cooler! Anbei seht ihr einige Eindrücke von unserer Reise. Alles in allem kann ich sagen, dass diese etwas andere Vorbereitung auch in Zukunft ein Thema sein kann, denn was gibt es besseres als topmotiviert und mit vollgeladenen Batterien in die Saison zu starten.

Urs Kryenbühl